Posts Tagged ‘Investoren’

Warnwestentruppe sucht Investor

Donnerstag, Februar 25th, 2010

Gestern Frühlingswetter, 10 Leute mit Warnweste, 1 Klein-LKW – sie befreien eine Bushaltestelle von Schnee und Eis.

Dass führende Politiker keine führenden Ideen haben, war auch in einer Tageszeitung schon zu lesen: Die von unserem Außenminister in’s Spiel gebrachte Idee, 1-Euro-Jobber Schnee schippen zu lassen, wird natürlich in Berlin schon seit längerem umgesetzt.

Aber war das unternehmerisch sinnvoll?

10 Leute arbeiten an einer Bushaltestelle. Nehmen wir an, sie benötigen 30 Minuten, um die Bushaltestelle in Ordnung zu bringen, so wären Kosten in Höhe von 5 Euro angefallen. Der Vorarbeiter ist vermutlich kein 1-Euro-Jobber, er müsste den Job sonst allein machen und so werden immerhin 4,5 Stunden seiner Zeit eingespart. Als Steuerzahler bin ich bis hier noch einverstanden.

Unter der Annahme, dass für diesen flächendeckenden Sondereinsatz genügend Schaufeln vorhanden sind. Denn wenn die Schaufeln noch beschafft werden müssten… oder waren die Schaufeln sowieso im Überfluss vorhanden? Hier entstehen erste Fragen.

(Schaufelhersteller müsste man sein! Die Erkenntnis hatten wir in der New Economy auch schon einmal.)

Wie sind die Arbeiter an den Einsatzort gekommen? Der Klein-LKW (Doppelkabine) hat ca. 6 Sitzplätze. Mit dem Bus – hoffe ich als Steuerzahler. Treffen wir öfters Arbeiter mit Schaufeln im Bus? Eher nein.  Gab es einen Fahrdienst? Was hat dieser gekostet?

Alle diese Kosten für ein Problem, das sich von selbst löst. Und zwar nicht irgendwann sondern aktuell, stark fortschreitend in der Frühlingssonne.

Seit Weihnachten hatte uns das Winterwetter im Griff. Bis gestern, am 24. Februar, waren Gehwege und die Nebenstrassen in den Vororten mit Tiefschnee bedeckt oder die Gehwege in Berlin spiegelglatt. Wir haben uns darauf eingestellt, waren vorsichtig und einige haben Knochenbrüche oder Blechschäden davon getragen.

Als das Tauwetter begonnen hatte, hat der Staat in die Problemlösung investiert.

Hätte man zu diesem Zeitpunkt einen anderen Investor als den Staat gefunden? Wohl nicht.

Investoren suchen Gelegenheiten, die jemandem einen dauerhaften Nutzen bieten. Dem Bürger als Nutzer der Bushaltestelle und dem 1-Euro-Jobber als Arbeiter.

Idiot mit 100 Dollar

Freitag, Juni 19th, 2009

„Ein Ingenieur ist ein Mann, der für einen Dollar das schafft, wofür ein Idiot 100 Dollar braucht.“ sagte Keith Duckworth, der Schöpfer des erfolgreichsten Formel-1-Triebwerks.

Das kann man prima auf Unternehmensgründungen übersetzen – nein, es ist das Wesen der Unternehmensgründung.

Sie haben eine Vision. Nun kommt die mühevolle, aber sehr lohnenswerte Aufgabe, eine Strategie zur Umsetzung zu erarbeiten. Dabei „denken Sie Ihre Vision klein“ – bis zum ersten, machbaren Schritt, den Sie gehen können und der Sie der Vision näher bringt, weil er nützlich ist und funktionieren wird.

Wenn der Schritt so klein ist, dass Sie keinen Investor für die Umsetzung benötigen: perfekt. Besser kann man nicht starten als mit der Option(!) Investoren für ein schnelleres Wachstum anzusprechen aber nicht ansprechen zu müssen.

Falls Sie dennoch einen Investor benötigen, wird er (hoffentlich) verstehen, dass der von Ihnen gefundene Ansatz der effizienteste ist – und Ihrem Investitionsvorschlag den Vorzug geben. Denn Investoren haben häufig eine sehr gute Übersicht, welche Geschäftsziele mit welchen Mitteln erreicht werden sollten oder können. Und geringerer Mittelbedarf zur Erreichung desselben Ziels… kennzeichnet den Nicht-Idioten.

Rezessionen sind Gründerzeiten

Dienstag, Mai 5th, 2009

Rezessionen sind wie Slow Motion.

Entscheidungen verzögern sich. Auftraggeber warten ab.

Menschen sind froh, ihren Job zu behalten. Ihre Gehaltserwartungen steigen nicht – und wenn sie auf den Arbeitsmarkt gehen müssen, sinken die Gehaltserwartungen sogar.

Man konzentriert sich auf das Wesentliche: Ist mein Produkt wirklich nützlich? Wer ist meine Zielgruppe? Wie kann ich den Interessenten noch intensiver bearbeiten, um ihn zum Kunden zu konvertieren?

Gründungen benötigen Zeit.

Eine Geschäftsidee muss 9 Monate reifen und durchläuft verschiedene -meist erhebliche- Veränderungen. Das Team muss zusammen finden. Von der anfänglichen Euphorie bis zur ersten richtigen Krise – und durch sie hindurch. Kontaktnetzwerke müssen aufgebaut werden. Der Prototyp muss programmiert werden.

Rezessionen und Gründung passen also zusammen.

Fehler kann man immer machen. In Boomzeiten sind die Auswirkungen der Fehler größer – also auch hier: Vorteil für rezessive Zeiten, da Fehler immer passieren und es einfach besser ist, wenn die Auswirkungen nicht so groß sind, dass niemand sie wieder einfangen kann.

Dieses Einfangen ist einfacher, wenn keine Investoren im Boot sind. Die Komplexität ist geringer, die Freiheitsgrade für die Lösung sind größer.

Wer es also schafft, in der Rezession ohne Investoren zu gründen, hat gute Voraussetzungen, auch in den Boomzeiten erfolgreich zu sein. Anders herum gilt das sicher nicht.

Und die Boomzeiten kommen bestimmt wieder!

Herzblut

Donnerstag, April 9th, 2009

„Investoren kommen und gehen, die haben kein Herzblut“ sagt Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß.

Auf den ersten Blick sieht das wie ein Nachteil aus. Gemeint ist, dass Entscheidungen über die Verwendung der Mittel, über den Ausstieg des Investors oder über das Nachschiessen weiterer Mittel in der Krise nach Kriterien getroffen werden, die der Unternehmer möglicherweise so nicht anlegen würde.

Der Unternehmer gibt das Unternehmen noch nicht verloren, möchte weiter in die Entwicklung eines Produkts investieren, weiteres Geld in die Werbung investieren, den Gewinn doch noch erreichen, etc. Der Investor „zieht den Stecker“, er beendet das Abenteuer, er begrenzt den entstandenen Verlust.

Soweit der erste Blick. Ein starker Unternehmer geht unbeirrt voran. Kaum zu bremsen und manchmal nicht zu steuern. Dieses Unsteuerbare ist das Problem. Es kann auch bei Unternehmerteams auftreten – ist aber weniger wahrscheinlich, weil zwei oder drei Gründer häufiger als Einzelgründer in einem konstruktiven Diskussionsprozess das Machbare von dem Unmöglichen trennen können. Aber auch Gründerteams benötigen ein Gegengewicht, einen Sparringspartner, eine Instanz, die ihre Entscheidungen herausfordert, bevor es der Markt tut.

Denn solange die Geschäftsführer in Personalunion auch Gesellschafter sind, kann man diesen Effekt nicht von ihnen erwarten – so schizophren ist niemand.

Hier kann der Investor nützlich sein. Er hinterfragt. Und zwar ohne Emotion und Herzblut. Am besten konstruktiv und mit einer eigenen Sicht auf das Geschäftsmodell, die Marktpositionierung, die Wettbewerbsstrategie, etc. – aber nicht als „Über-Geschäftsführung“, die alle operativen Entscheidungen bewertet sondern als „Anspruchsteller“, der einen Return on Investment erwartet.

Dadurch entsteht zusätzlich zu den strategischen und operativen Zielen des Unternehmens eine weitere Zielsetzung für die Geschäftsführung, die gleichzeitig verfolgt und erreicht werden muss. Übrigens eine Zielsetzung, die die Gesellschafter-Geschäftsführer mit ihrem „Gesellschafterhut“ auch verfolgen sollten, wenn sie es denn könnten – siehe Schizophrenie.

Entscheiden Sie selbst, ob Sie auf den zweiten Blick aus der Sicht eines Investors verzichten wollen!

Beim Pitching überzeugen

Samstag, Februar 14th, 2009

Sie werden zum Pitching eingeladen. Was kann man dort erreichen?

Pitching bedeutet: Eine Reihe sehr unterschiedlicher Zuhörer erlebt in 2-3 Stunden eine Reihe sehr unterschiedlicher Geschäftsideen und Teams und jeder Einzelne will entscheiden, ob er weitere Gespräche führen wird.

Versuchen Sie sich vorzustellen, was bei Ihnen nach 10 Präsentationen je 15 Minuten Dauer hängen bleiben würde, wenn die Präsentationen in verschiedenen Gliederungen erfolgen. Oder nach 15 Präsentationen je 7 Minuten Dauer.

Eine Geschäftsidee inhaltlich richtig zu würdigen, ist im Pitching eigentlich unmöglich. Auch die zuvor mit viel Energie erarbeitete Positionierung in Markt und Wettbewerb kommt oft nicht rüber. „Das gibt’s doch schon“ ist ein sehr häufiges Feedback nach Pitchings. Ignorieren Sie dieses Problem – man kann es im Pitching einfach nicht verhindern.

Beachten Sie aber den folgenden Punkt: Nach den zahlreichen Präsentationen stellt sich bei den Zuhörern ein Bild auf einer abstrakteren Ebene ein – und in diesem Bild sollten Sie klar positioniert sein. Keine der drei Ebenen ist besser als eine andere. Sie sind aber trennscharf hinsichtlich der Frage „Wofür wird die Unterstützung des Investors eigentlich benötigt?“

Ebene 1: Zwei bis drei Leute haben den Proof of Concept erreicht. Der Start ist erfolgt. Es handelt sich um eine „machbare Idee“. Der Investor wird für den Unternehmensaufbau gesucht. Die Risiken sind noch erheblich, es drohen: Kein Kundeninteresse, Teamzerfall, Scheitern an Routineprozessen, tödliches Stolpern, etc.

Ebene 2: Der erste Kunde oder der erste Investor wurde gefunden. Das Team ist komplett, alles wichtigen Prozesse sind einigermaßen vorhanden. Der Investor soll das Erreichen der Marktdominanz ermöglichen. Es drohen: Aufwachen übermächtiger Wettbewerber. Zusammenbrechen des Hypes. Tod durch stürmische Kundennachfrage, etc.

Ebene 3: Systematischer Vertrieb führte nachhaltig zu Kunden. Die operative Profitabilität ist erreicht oder erreichbar. Das Unternehmen hat eigenes Gewicht. Der Investor wird für das Erreichen der Weltherrschaft benötigt. Es drohen: Scheitern an Branchentrends oder in reifenden Märkten oder an strategischen Fehlentscheidungen, etc.

Auf diesen Ebenen sind alle Geschäftsideen eines Pitchings -völlig unabhängig von der Branche- plötzlich vergleichbar. Und jeder Investor hat eine Ausgangssituation (Portfolio der Beteiligungen, Interesse an weiteren Engagements, Fähigkeit zu unterstützen, etc.), die Sie kaum detailliert kennen werden und im Pitching auch nicht erfragen können.

Ganz wesentlich auf allen drei Ebenen ist die Frage des Investors: „Können die das?“ – mit der Betonung auf allen drei Wörtern: „Können? die? das?“. Zweimal „ja“ und einmal „nein“ reicht nicht – Sie benötigen ein „Die! können! das!“

Das Team muss zur Idee passen. Darum geht’s im Pitching. Mehr geht nicht in 7 oder 15 Minuten. Wenn Sie das erreichen, haben Sie alles erreicht, was man in einem Pitching erreichen kann.

Versuchen Sie, in möglichst vielen Präsentationen und durch ehrliches Feedback wohlmeinender Zeitgenossen herauszubekommen, welche Vorbehalte gegen Ihr Team vorhanden sein könnten, wenn Sie über Ihre Geschäftsidee sprechen!

Ideenklau – von Investoren

Samstag, November 22nd, 2008

Gründern sollte man von den eigenen Ideen erzählen. Siehe dazu in diesem Post.

„Unveröffentlichte Ideen“ habe ich dort noch nicht behandelt. Für diese unveröffentlichten Ideen bleiben als „Interessenten“ eigentlich auch nur noch Investoren übrig.

Der Schutz gegenüber Investoren ist relativ einfach: Nur den Nutzen kommunizieren und die technischen Raffinessen weglassen. Damit kann ein Investor relativ wenig Mißbrauch treiben, da er als Investor regelmässig nicht über die technische Kompetenz verfügt, die Idee selbst umzusetzen.

Allerdings besteht die Gefahr, dass es ein Unternehmen in seinem Portfolio gibt, das diese Idee sehr wohl umsetzen könnte. Doch das können und müssen Sie recherchieren, bevor Sie mit dem Investor sprechen. Wer diese Hausaufgabe nicht macht, handelt grob fahrlässig! Zur Sicherheit, d.h. falls nicht alle Beteiligungen des Investors bekannt sind (oder er momentan eine Beteiligung eingeht, die aber noch nicht veröffentlicht ist), fragen Sie ausdrücklich nach, ob es bereits Beteiligungen im Bereich X gibt, die einen Interessenskonflikt bedeuten könnten.

Interessenskonflikt ist nämlich das Schlüsselwort für einen Investor (und auch für profesionelle Berater – leider sind im Gegensatz zu den Investoren die Berater häufiger als die Investoren in diesem Punkt unprofessionell). Er wird kaum „nein“ antworten und dennoch wenige Tage oder Wochen später auf seiner Website einen Ihrer Wettbewerber als Beteiligung listen. Man kann es natürlich nie ausschließen, ich halte es aber für unwahrscheinlich.

Es besteht aber eine andere Gefahr, die man tatsächlich nicht ausschließen kann: Investoren wollen möglicherweise eine andere Idee absichern, d.h. sie befinden sich in der Prüfung für eine konkrete Beteiligung und haben Interesse an Marktzahlen, Marktteilnehmern und an Geschäftsmodellen aus Ihrem Bereich. Die an Sie gerichtete Bitte, Ihren Businessplan zuzusenden bedeutet dann, dass der Investor die entsprechenden Kapitel mit Interesse lesen wird, um die Informationen in den Verhandlungen mit Ihrem Wettbewerber (den Sie vielleicht sogar ausführlich beschrieben haben!) zu verwenden.

Das ist natürlich ärgerlich, denn warum sollten Sie seine Hausaufgaben erledigen ohne eine Chance auf ein Investment zu haben?

Es ist aber -vermutlich- nicht wirklich gefährlich. Ihre Idee wird der Investor nicht weitergeben, wenn er einigermaßen professionell agiert. Ohne Garantie, aber ich halte es einfach für unwahrscheinlich. Welche Wirkung hätte es auf seinen Verhandlungspartner (Ihren Wettbewerber), wenn er Ihren Businessplan einfach durchreicht oder Vertrauliches daraus verwendet? Der Schaden für ihn wäre erheblich. Zumal er annehmen muss, dass Sie oder Ihr Team persönliche Kontakte zu dem Wettbewerber haben oder durch Mitarbeiterwechsel haben werden.

Häufig müssen Investoren Ihre Idee auch gar nicht klauen, da sie sie schon haben. Aus dem Silicon Valley stammt der Satz „100 Teams haben dieselbe Idee, 10 setzen sie um und 1 Team wird erfolgreich“. Investoren sehen diese 10 Teams zwar nicht alle, aber doch einige davon, da Businesspläne (leider!) weit gestreut werden.

Sie sehen diese Businesspläne natürlich nicht. Auch das ist eine Erkenntnis, die übrigens logisch gesehen das genaue Gegenteil von „Ideenklau durch den Investor“ ist. Sie könnten eine Idee klauen, wenn Sie es schaffen, mit dem Investor in einen vertiefenden Dialog zu Ihrer Idee zu kommen.

Fazit: Die intuitive Angst ist berechtigt. Seien Sie vorsichtig, wenn Sie mit Investoren sprechen. Machen Sie Ihre Hausaufgaben. Wenn ein Investor interessiert ist, bedeutet das, es ist „Markt vorhanden“.

Das könnte Ihre wichtigste Erkenntnis aus dem Interesse eines Investors sein, auch wenn er nicht investiert.

Ideenklau – von Gründern

Samstag, November 15th, 2008

Was ist, wenn jemand meine Idee klaut?

Dann wird er sie vermutlich ganz anders umsetzen.

Jeder, der schon einmal mit einer Idee wirklich gestartet ist, weiß, dass sich seine Idee weiter entwickelt hat und diese spätestens nach 6 intensiven Monaten mit der ersten Idee nur noch wenig zu tun hatte. Ursprünglich fehlende Teile der Idee sind hinzugekommen und falsche Teilen der Idee haben nicht überlebt. Wer diese Erfahrung mit seiner Idee noch nicht gemacht hat, hat vermutlich auch noch nicht begonnen, sie wirklich umzusetzen.

Aber umsetzen bedeutet meist auch veröffentlichen. Spätestens dann kann jede Idee geklaut werden. Es dreht sich bei der Frage des Ideenklaus also hauptsächlich um unveröffentlichte Ideen.

Ideen sind individuell. Ihre fachliche Kompetenz, technisches Wissen, Team, Motivation und Effektivität (nicht: Finanzierung!) und vermutlich noch 118 weitere Erfolgsfaktoren sind entscheidend für Ihren Erfolg mit der Idee. Lieber die zweitbeste Idee mit dem erstbesten Team als anders herum – dieser Satz ist nicht von mir, er entspricht aber meiner Erfahrung.

Individuell heißt auch: Jeder Einzelne ist meist gut beschäftigt, eine einzige Idee umsetzen. Gründer heißen so, weil sie das schon tun – und haben daher logischerweise keinen echten Bedarf an einer weiteren Idee. Außer, sie wollen etwas Identisches gründen. Das ist aber wieder sehr unwahrscheinlich – siehe „individuell“ im vorstehenden Absatz. Außerdem merken Sie es im Gespräch – wenige Menschen stellen absichtlich blöde Fragen um zu verschleiern, dass sie eigentlich auch Ihre Idee umsetzen wollen.

Kommunizieren Sie Ihre Idee Gründern gegenüber also möglichst offen. Sie bekommen Feedback, das extrem wichtig ist und das Risiko des Ideenklaus bei weitem ausgleicht. Für Investoren gibt es eine andere Logik, die ich in einem weiteren Post behandeln werde.

Ärgerlich ist es, wenn jemand eine Idee klaut und anders umsetzt, aber dabei erfolgreicher als Sie ist. Aber Hand auf’s Herz: Wie sind Sie denn auf Ihre Idee gekommen? War es nicht vielleicht Ihre Beobachtungsgabe, eine Unzulänglichkeit bei Anderen gesehen zu haben? Haben Sie nicht selbst aus einer oder mehreren Ideen anderer Leute Ihre Idee entwickelt? Wie kommt man überhaupt auf eigene Ideen, wenn nicht durch Anregung von außen? Ohne die Kognitionswissenschaften bemühen zu wollen – eine „eigene Idee“ ist meist nur gefühlt eigen und hat sich bei Ihnen eingestellt, weil sie irgendwie in der Luft lag. Investoren, die einen guten Überblick über aktuelle Geschäftsideen und -modelle haben, bekommen immer (!) mehrere Businesspläne zu einer Idee auf den Tisch. Doch dazu, wie gesagt, später mehr.

Der Schlüssel gegen den Ideenklau liegt darin, der Idee eine eigene, persönliche, unverwechselbare Note zu geben (in der Beratersprache auch als Strategie bezeichnet) und diese Idee schnell umzusetzen. Denn in der Schnelligkeit liegt der beste Schutz: Nachahmer müssen noch schneller umsetzen und aus Fehlern lernen als Sie, wenn sie Ihnen die Show stehlen wollen. Das gelingt regelmässig nur den kleinen Nachahmern und die großen Konzerne scheitern genauso regelmässig daran.

Teamgründungen sind erfolgreicher

Dienstag, Oktober 28th, 2008

Hier könnte ich jetzt eine Menge Literatur aus der Gründungsforschung zitieren, die Richtlinien verschiedener Fördermittelgeber im Gründungsbereich angeben oder O-Töne von Investoren abspielen: Die Aussage, dass Teamgründungen erfolgreicher sind, findet man allerorten. „Team“ ist also bewiesen.

Das reicht natürlich nicht.

Eine Idee wird besser, wenn man sie vielen Menschen vorstellt und sich mit ihren Reaktionen auseinandersetzt. Das wurde hier schon ausgeführt. Wenn diese Menschen dann auch noch wissen, wovon sie sprechen und mitmachen, wird die Idee noch schneller noch besser. „Team“ heißt Vorteil gegenüber dem Einzelkämpfer.

Für eine Gründung wird viel benötigt. Mindestens jedoch eine klare Zielvorstellung, Führungswille, Kommunikation nach außen, Technik, Prozesse und Organisation, etc. Je nach Geschäftsmodell ist die Ausprägung dieser Fähigkeiten unterschiedlich – darauf kommt es nicht so an. Wie wahrscheinlich ist es, dass das alles in einer Person gebündelt ist? Wie skaliert diese Person, wenn das Unternehmen wachsen soll? „Team“ bedeutet Vielseitigkeit.

Es gibt gar nicht wenige Menschen, die nicht teilen können. Sie haben es einfach nicht gelernt. Diese Menschen werden keine Teams führen können, keine Verhandlungen zu einem win-win-Ergebnis bringen und sich in der Krise einem Kompromiss verweigern. Jeder von uns kennt solche Menschen. Sie sind bestimmt wertvoll – für alles mögliche Andere, aber nicht für Gründungen. „Team“ bedeutet also weniger Egoismus.

Versuchen Sie, in einem anfangs überschaubaren Umfeld Andere von Ihren Ideen und Ihrer Herangehensweise zu überzeugen. Lernen Sie zuerst, Ihre eigenen Ideen in dem freundlichen Umfeld „Team“ zu entwickeln. Die Kunden, die Wettbewerber, die Investoren, etc. sind nicht mehr so freundlich mit Ihnen und Sie werden Mitstreiter gut brauchen können. „Team“ ist also ein Synonym für die Vorbereitung auf die harte Welt da draussen.

Teams entstehen, weil die Menschen gerne Zeit miteinander verbringen. Teams werden unschlagbar, weil sie durch die Umsetzung zusammen geschweißt werden. „Team“ kann zwischenmenschlicher Sinn sein.

Wenn Sie kein Team zum Mitmachen finden, gründen Sie einfach selbst ein Team.

Businesspläne sind sinnvoll

Mittwoch, Oktober 8th, 2008

Der Businessplan ist Ihre Chance.

Loszulegen und trotzdem ein Minimum an betriebswirtschaftlicher Sorgfalt walten zu lassen. Stolpern werden Sie ohnehin, das gehört dazu und ist eigentlich auch nicht weiter gefährlich. Selbst wenn man hinfällt, kann man ja wieder aufstehen.

„Minimale Sorgfalt“ bedeutet, die Richtung und die Kraft, die Sie für Ihre Idee wählen, vorher abzuschätzen. Eine ganzheitliche Perspektive einzunehmen. Abhängigkeiten aufzudecken. Ziele zu setzen. Grenzen vorherzusehen. Dieser Nutzen eines Businessplans richtet sich an die Ungestümen. Egal ob Marketingleute, Techniker, oder Verkäufer.

„Loszulegen“ bedeutet, die Umsetzung der Idee sofort zu beginnen. Nicht zu zaudern oder sich ablenken zu lassen. Eine Priorität geben. Einen Kristallisationspunkt für die Idee zu finden, der von einer Person ausgeht und schnell der Mittelpunkt eines Teams werden kann, das möglicherweise noch eine Weile in anderen Projekten gebunden ist und den richtigen Moment für den Absprung erreichen muss. Ein Plan ist erstmal ungefährlich.

Planung ersetzt Zufall durch Irrtum.

Planung heißt, Sie haben sich etwas gedacht und auf der Zeitachse in einzelne Schritte geteilt.

Es wird anders kommen als gedacht. Sie werden sich geirrt haben und neu planen. Aber nur, wenn ein alter Plan vorhanden ist, können Sie eine Abweichung feststellen und sich bewußt werden: So geht’s nicht. Ich muss es anders machen.

Muss ich dann den Businessplan jedes Mal anpassen?

Nein, die Zeit kann man sich sparen. Der erste Businessplan ist wichtig, das wurde früher beschrieben, wenn Sie Ihre Idee auf den Punkt bringen müssen oder Investoren gewinnen wollen. Danach ist die Erarbeitung eines Businessplans reiner Overhead. Das „neu planen“ geschieht in der täglichen Arbeit und schrittweise. Im Tagesgeschäft ab und zu mal die Strategie, Zielgruppen, Technik, etc. in Frage zu stellen, kann man wirklich nicht empfehlen.

Regelmässig sollte man sich mal ausklinken, alles überdenken, vielleicht die Strategie ändern, Grundsätzliches klären. Schon klar. Das hat aber nichts mit Businessplan zu tun. Deshalb muss das hier nicht vertieft werden.

Also brauche ich den Businessplan nach dem Start bzw. den Investorengesprächen nie wieder?

Ja, so ist es. Ein Businessplan ist pures Konzept. Für das Tagesgeschäft nicht nur überflüssig sondern sogar schädlich, weil ein Ressourcenfresser.

Einzige Ausnahme: Sie benötigen Geld. Dann ist der Businessplan plötzlich wieder nötig. Doch das wurde hier schon beschrieben.

Der Weg ist das Ziel.

Dieses ist der dritte Grund, warum ein Businessplan sinnvoll ist. Das Durchdenken der Idee, die Diskussion mit den anderen Gründern und der Zwang, sich bei jedem Detail auf eine Zahl festzulegen -denn etwas Anderes paßt nicht in eine Zelle im MS-Excel-Arbeitsblatt- ist heilsam. Man wird konkret. Und begründet jede einzelne Annahme.

In diesem Prozess wird Ihre Idee besser werden.

Deswegen halte ich viel vom Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg: Er gibt den Weg vor, bietet kundige Begleiter, Menschen zum Diskutieren, Struktur des Businessplans, sinnvolle Teilschritte, Takt und Rhythmus, usw. Er ist sinnvoller Weg zum sinnvollen Ziel.

Businesspläne sind nötig

Samstag, September 27th, 2008

Sie wollen sein Geld.

Das Geld des Investors. Deshalb benötigen Sie einen Businessplan.

Er ist die Sprache des Investors, der Ihre Idee inhaltlich nicht wirklich versteht.

Ob das immer so ist, zwischen Investoren unterschiedlich ist, so sein sollte oder nicht, ist völlig belanglos. Wenn Sie Glück haben, werden Sie nach mehreren Monaten oder vielleicht Jahren bei dem oder den Investoren, die sich für ein Investment bei Ihnen entschieden haben, verstehen, wieviel er von Ihrer Idee verstand als er sich engagierte. Vergessen Sie diese Frage, sie führt nicht weiter.

Der Businessplan hilft dem Investor, mit Ihnen über die Unzulänglichkeiten Ihrer Idee zu sprechen. Das ist sein gutes Recht, denn es ist ja auch sein Geld.

Und er ist eine Chance für Sie. Doch dazu später.

Das Bild der „Sprache des Investors“ finde ich passend, da Sie (wie in einer ausländischen Sprache auch) etwas ausdrücken wollen und es möglicherweise anders als beabsichtigt beim Empfänger ankommt. Sie verwenden Wörter, die erschrecken. Oder Interesse wecken. Und merken es nicht immer sofort.

Doch Sprache kann man üben. Die Reihenfolge, in der die Inhalte eines Businessplans beim Investor mündlich präsentiert werden, ist keineswegs beliebig. Wie immer gibt es Variationen, aber Break Even – maximaler Investitionsbedarf – Eigenkapitalquote – Finanzierungsmix – Umsatzplanung im Jahr 1 – Anzahl Kunden im ersten Jahr sind ein guter Start. Für die schriftlichen Fassung gibt es meterweise Ratgeber. Das Handbuch des Businessplan-Wettbewerbs Berlin-Brandenburg ist empfehlenswert.

Vor allem darf man aber nicht verschiedene Sprachen mischen. Das ist genauso silly, wie dieser sentence. Bleiben Sie in der Sprache des Investors und fallen Sie nicht versehentlich aus der Grammatik. „Ich Dich Messer“ ist zu modern, niveaulos, anders oder sonstwie unpassend.