Gründern sollte man von den eigenen Ideen erzählen. Siehe dazu in diesem Post.
“Unveröffentlichte Ideen” habe ich dort noch nicht behandelt. Für diese unveröffentlichten Ideen bleiben als “Interessenten” eigentlich auch nur noch Investoren übrig.
Der Schutz gegenüber Investoren ist relativ einfach: Nur den Nutzen kommunizieren und die technischen Raffinessen weglassen. Damit kann ein Investor relativ wenig Mißbrauch treiben, da er als Investor regelmässig nicht über die technische Kompetenz verfügt, die Idee selbst umzusetzen.
Allerdings besteht die Gefahr, dass es ein Unternehmen in seinem Portfolio gibt, das diese Idee sehr wohl umsetzen könnte. Doch das können und müssen Sie recherchieren, bevor Sie mit dem Investor sprechen. Wer diese Hausaufgabe nicht macht, handelt grob fahrlässig! Zur Sicherheit, d.h. falls nicht alle Beteiligungen des Investors bekannt sind (oder er momentan eine Beteiligung eingeht, die aber noch nicht veröffentlicht ist), fragen Sie ausdrücklich nach, ob es bereits Beteiligungen im Bereich X gibt, die einen Interessenskonflikt bedeuten könnten.
Interessenskonflikt ist nämlich das Schlüsselwort für einen Investor (und auch für profesionelle Berater – leider sind im Gegensatz zu den Investoren die Berater häufiger als die Investoren in diesem Punkt unprofessionell). Er wird kaum “nein” antworten und dennoch wenige Tage oder Wochen später auf seiner Website einen Ihrer Wettbewerber als Beteiligung listen. Man kann es natürlich nie ausschließen, ich halte es aber für unwahrscheinlich.
Es besteht aber eine andere Gefahr, die man tatsächlich nicht ausschließen kann: Investoren wollen möglicherweise eine andere Idee absichern, d.h. sie befinden sich in der Prüfung für eine konkrete Beteiligung und haben Interesse an Marktzahlen, Marktteilnehmern und an Geschäftsmodellen aus Ihrem Bereich. Die an Sie gerichtete Bitte, Ihren Businessplan zuzusenden bedeutet dann, dass der Investor die entsprechenden Kapitel mit Interesse lesen wird, um die Informationen in den Verhandlungen mit Ihrem Wettbewerber (den Sie vielleicht sogar ausführlich beschrieben haben!) zu verwenden.
Das ist natürlich ärgerlich, denn warum sollten Sie seine Hausaufgaben erledigen ohne eine Chance auf ein Investment zu haben?
Es ist aber -vermutlich- nicht wirklich gefährlich. Ihre Idee wird der Investor nicht weitergeben, wenn er einigermaßen professionell agiert. Ohne Garantie, aber ich halte es einfach für unwahrscheinlich. Welche Wirkung hätte es auf seinen Verhandlungspartner (Ihren Wettbewerber), wenn er Ihren Businessplan einfach durchreicht oder Vertrauliches daraus verwendet? Der Schaden für ihn wäre erheblich. Zumal er annehmen muss, dass Sie oder Ihr Team persönliche Kontakte zu dem Wettbewerber haben oder durch Mitarbeiterwechsel haben werden.
Häufig müssen Investoren Ihre Idee auch gar nicht klauen, da sie sie schon haben. Aus dem Silicon Valley stammt der Satz “100 Teams haben dieselbe Idee, 10 setzen sie um und 1 Team wird erfolgreich”. Investoren sehen diese 10 Teams zwar nicht alle, aber doch einige davon, da Businesspläne (leider!) weit gestreut werden.
Sie sehen diese Businesspläne natürlich nicht. Auch das ist eine Erkenntnis, die übrigens logisch gesehen das genaue Gegenteil von “Ideenklau durch den Investor” ist. Sie könnten eine Idee klauen, wenn Sie es schaffen, mit dem Investor in einen vertiefenden Dialog zu Ihrer Idee zu kommen.
Fazit: Die intuitive Angst ist berechtigt. Seien Sie vorsichtig, wenn Sie mit Investoren sprechen. Machen Sie Ihre Hausaufgaben. Wenn ein Investor interessiert ist, bedeutet das, es ist “Markt vorhanden”.
Das könnte Ihre wichtigste Erkenntnis aus dem Interesse eines Investors sein, auch wenn er nicht investiert.