Posts Tagged ‘Geschäftsmodell’

Warnwestentruppe sucht Investor

Donnerstag, Februar 25th, 2010

Gestern Frühlingswetter, 10 Leute mit Warnweste, 1 Klein-LKW – sie befreien eine Bushaltestelle von Schnee und Eis.

Dass führende Politiker keine führenden Ideen haben, war auch in einer Tageszeitung schon zu lesen: Die von unserem Außenminister in’s Spiel gebrachte Idee, 1-Euro-Jobber Schnee schippen zu lassen, wird natürlich in Berlin schon seit längerem umgesetzt.

Aber war das unternehmerisch sinnvoll?

10 Leute arbeiten an einer Bushaltestelle. Nehmen wir an, sie benötigen 30 Minuten, um die Bushaltestelle in Ordnung zu bringen, so wären Kosten in Höhe von 5 Euro angefallen. Der Vorarbeiter ist vermutlich kein 1-Euro-Jobber, er müsste den Job sonst allein machen und so werden immerhin 4,5 Stunden seiner Zeit eingespart. Als Steuerzahler bin ich bis hier noch einverstanden.

Unter der Annahme, dass für diesen flächendeckenden Sondereinsatz genügend Schaufeln vorhanden sind. Denn wenn die Schaufeln noch beschafft werden müssten… oder waren die Schaufeln sowieso im Überfluss vorhanden? Hier entstehen erste Fragen.

(Schaufelhersteller müsste man sein! Die Erkenntnis hatten wir in der New Economy auch schon einmal.)

Wie sind die Arbeiter an den Einsatzort gekommen? Der Klein-LKW (Doppelkabine) hat ca. 6 Sitzplätze. Mit dem Bus – hoffe ich als Steuerzahler. Treffen wir öfters Arbeiter mit Schaufeln im Bus? Eher nein.  Gab es einen Fahrdienst? Was hat dieser gekostet?

Alle diese Kosten für ein Problem, das sich von selbst löst. Und zwar nicht irgendwann sondern aktuell, stark fortschreitend in der Frühlingssonne.

Seit Weihnachten hatte uns das Winterwetter im Griff. Bis gestern, am 24. Februar, waren Gehwege und die Nebenstrassen in den Vororten mit Tiefschnee bedeckt oder die Gehwege in Berlin spiegelglatt. Wir haben uns darauf eingestellt, waren vorsichtig und einige haben Knochenbrüche oder Blechschäden davon getragen.

Als das Tauwetter begonnen hatte, hat der Staat in die Problemlösung investiert.

Hätte man zu diesem Zeitpunkt einen anderen Investor als den Staat gefunden? Wohl nicht.

Investoren suchen Gelegenheiten, die jemandem einen dauerhaften Nutzen bieten. Dem Bürger als Nutzer der Bushaltestelle und dem 1-Euro-Jobber als Arbeiter.

kiva – Abhängigkeit oder Unabhängigkeit

Mittwoch, Oktober 21st, 2009

kiva verhilft Kleinunternehmern aus ärmeren Ländern der Welt zu günstigen Krediten, um ihr Geschäft auszubauen. Das klingt auf den ersten Blick sehr lobenswert.

Ebenfalls angetan von der Idee der Mikrokredite über das Internet, berichteten wir im Blog vom 09. Mai 2009 über unsere Finanzierung auf kiva.org. Ende September ist das Darlehen komplett an uns zurückgeflossen und die Initiatoren der Idee haben sich aufrichtig bedankt.

Die Vorteile von kiva sind klar zu erkennen. Durch die Geschichten, Ideen und Fotos der Kleinunternehmer glaubt man ganz nah am Geschehen zu sein. Der finanzielle Vorgang geht schnell und das Risiko ist überschaubar.

Aber verstärkt die Idee nicht möglicherweise die Abhängigkeit zwischen Gebern und Empfängern? Verzerren niedrige Zinssätze lokale Kreditmärkte? Zerstören Organisationen wie kiva die Banken vor Ort?

Oder spiegelt sich hier nicht eher die Angst wider, dass erfolgreicher E-Commerce etablierte Geschäftsmodelle zerstört?

Was meint Ihr dazu?

erfolgreiche Geschäftsmodelle

Montag, August 31st, 2009

Nach einem Jahr Kombinat Softwareentwicklung liegt es nahe, Bilanz zu ziehen.

Welche Geschäftsmodelle wurden im Kombinat versucht – welche waren erfolgreich?

Projektgeschäft funktioniert. Sowohl bei der Akquisition von öffentlichen Fördermitteln als auch bei der Akquisition von Kundenaufträgen. Eines der Unternehmen im Kombinat hat damit die kritische Größe erreicht, die zum Überleben notwendig ist. Damit ist natürlich nicht das Überleben garantiert – aber es ist deutlich erkennbar, dass das Geschäftsmodell eine profitable Geschäftstätigkeit ermöglicht.

Lesson Learned #1: Projekte akquirieren und erfolgreich abwickeln kann man als Gründerteam durchaus erreichen.

Produktgeschäft ist schwierig. Jedenfalls, wenn man versucht, es aus eigener Kraft aufzubauen. Da reichen Projektfinanzierungen für 12 Monate nicht aus, um alle Teamprozesse und die Produktentwicklung bis zum Markteintritt mit einer relevanten Kundenanzahl umzusetzen.

Lesson Learned #2: Wenn Produktgeschäft, dann nur mit einem Vertriebspartner, der den Absatz der Produkte absichern kann und schon über eine eigene Reichweite verfügt.

Plattformbetrieb ist noch schwieriger. Ein gutes Portal oder einen attraktiven „Software as a Service“ (SaaS) zu starten bedeutet, durch die Entwicklung einer ersten Startplattform (Projektgeschäft) mindestens 3-4 Produkte zu haben, die im Markt nachgefragt werden. Allein dieses ist nur zu bewältigen, wenn man ein schlagkräftiges Technikteam und ein branchenerfahrenes Marketingteam hat, das sich auch noch mit den Erfolgsfaktoren des modernen www (wie zum Beispiel SEM, SEO, Affiliate Programme) auskennen muss, kombinieren kann. Und danach beginnt erst noch die Betriebsphase, die nicht nur unkreative Routine sondern auch hohe Kosten verursachen kann.

Lesson Learned #3: Keine Plattform ohne Branchenerfahrung starten.

Lesson Learned #4: Keine Plattform ohne Betriebserfahrung (oder den Zugriff darauf) oder wenigstens Erfahrungen aus dem Projektgeschäft entwickeln wollen. Die Komplexität ist für Unternehmensgründungen, so wie sie im Kombinat stattfinden, einfach zu hoch.

Übrigens: Diese einzelnen Erkenntnisse sind nicht nur jeweils einem Unternehmen im Kombinat zuzuordnen. Alle Unternehmen sind mit mehreren Geschäftsideen und -versuchen in diese Bilanz eingeflossen.

Damenwäsche und Parfum

Samstag, Mai 9th, 2009

Unternehmer sollten sich gegenseitig unterstützen.

Ich hatte schon lange vor, die Idee des Mikrokredits auszuprobieren. Der Anlass dazu war dieser Beitrag im Blog von Kolja Hebenstreit. Nun kann er einen Weiteren zählen, den er für kiva begeistern konnte! Hier ist meine Lender Page.

Warum genau diese Kreditanfrage?

Die Begründung für den Kreditbedarf ist plausibel. Die Abbildung der ganzen Gruppe, die bei Bedarf für die Rückzahlung aufkommt, ist vertrauenserweckend. Zahlreiche andere Anfragen fand ich wenig überzeugend – auch wenn ich aus meinen Reisen in arme Länder weiss, dass die schriftliche logische Begründung dort nicht zu den überlebensnotwendigen Fähigkeiten zählt und mein Kreditausfallrisiko sicherlich nicht durch eine schöne Beschreibung wirklich reduziert wird.

Trotzdem ist auch dieser Gedanke ganz lehrreich: Ich muss nicht investieren und der Wurm (Kreditanfrage) muss dem Fisch (mir) schmecken und nicht dem Angler (Marry Nuya’s Group).

Das ist auch bei Kreditanfragen in unserer ungleich komplexeren Welt so.

Wer sich also in die Lage eines Kreditgebers versetzen möchte, der spende am besten über kiva. Und beobachte sich selbst: Was verstehe ich vom Geschäft des Kreditnehmers? Vertraue ich ihm? Wird er zurückzahlen können?

Übrigens habe ich auf der gesamten kiva-Website keine Angabe zu Zinsen gefunden – vermutlich habe ich also ein zinsloses Darlehen gegeben.

Herzblut

Donnerstag, April 9th, 2009

„Investoren kommen und gehen, die haben kein Herzblut“ sagt Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß.

Auf den ersten Blick sieht das wie ein Nachteil aus. Gemeint ist, dass Entscheidungen über die Verwendung der Mittel, über den Ausstieg des Investors oder über das Nachschiessen weiterer Mittel in der Krise nach Kriterien getroffen werden, die der Unternehmer möglicherweise so nicht anlegen würde.

Der Unternehmer gibt das Unternehmen noch nicht verloren, möchte weiter in die Entwicklung eines Produkts investieren, weiteres Geld in die Werbung investieren, den Gewinn doch noch erreichen, etc. Der Investor „zieht den Stecker“, er beendet das Abenteuer, er begrenzt den entstandenen Verlust.

Soweit der erste Blick. Ein starker Unternehmer geht unbeirrt voran. Kaum zu bremsen und manchmal nicht zu steuern. Dieses Unsteuerbare ist das Problem. Es kann auch bei Unternehmerteams auftreten – ist aber weniger wahrscheinlich, weil zwei oder drei Gründer häufiger als Einzelgründer in einem konstruktiven Diskussionsprozess das Machbare von dem Unmöglichen trennen können. Aber auch Gründerteams benötigen ein Gegengewicht, einen Sparringspartner, eine Instanz, die ihre Entscheidungen herausfordert, bevor es der Markt tut.

Denn solange die Geschäftsführer in Personalunion auch Gesellschafter sind, kann man diesen Effekt nicht von ihnen erwarten – so schizophren ist niemand.

Hier kann der Investor nützlich sein. Er hinterfragt. Und zwar ohne Emotion und Herzblut. Am besten konstruktiv und mit einer eigenen Sicht auf das Geschäftsmodell, die Marktpositionierung, die Wettbewerbsstrategie, etc. – aber nicht als „Über-Geschäftsführung“, die alle operativen Entscheidungen bewertet sondern als „Anspruchsteller“, der einen Return on Investment erwartet.

Dadurch entsteht zusätzlich zu den strategischen und operativen Zielen des Unternehmens eine weitere Zielsetzung für die Geschäftsführung, die gleichzeitig verfolgt und erreicht werden muss. Übrigens eine Zielsetzung, die die Gesellschafter-Geschäftsführer mit ihrem „Gesellschafterhut“ auch verfolgen sollten, wenn sie es denn könnten – siehe Schizophrenie.

Entscheiden Sie selbst, ob Sie auf den zweiten Blick aus der Sicht eines Investors verzichten wollen!

Teamgründungen sind erfolgreicher

Dienstag, Oktober 28th, 2008

Hier könnte ich jetzt eine Menge Literatur aus der Gründungsforschung zitieren, die Richtlinien verschiedener Fördermittelgeber im Gründungsbereich angeben oder O-Töne von Investoren abspielen: Die Aussage, dass Teamgründungen erfolgreicher sind, findet man allerorten. „Team“ ist also bewiesen.

Das reicht natürlich nicht.

Eine Idee wird besser, wenn man sie vielen Menschen vorstellt und sich mit ihren Reaktionen auseinandersetzt. Das wurde hier schon ausgeführt. Wenn diese Menschen dann auch noch wissen, wovon sie sprechen und mitmachen, wird die Idee noch schneller noch besser. „Team“ heißt Vorteil gegenüber dem Einzelkämpfer.

Für eine Gründung wird viel benötigt. Mindestens jedoch eine klare Zielvorstellung, Führungswille, Kommunikation nach außen, Technik, Prozesse und Organisation, etc. Je nach Geschäftsmodell ist die Ausprägung dieser Fähigkeiten unterschiedlich – darauf kommt es nicht so an. Wie wahrscheinlich ist es, dass das alles in einer Person gebündelt ist? Wie skaliert diese Person, wenn das Unternehmen wachsen soll? „Team“ bedeutet Vielseitigkeit.

Es gibt gar nicht wenige Menschen, die nicht teilen können. Sie haben es einfach nicht gelernt. Diese Menschen werden keine Teams führen können, keine Verhandlungen zu einem win-win-Ergebnis bringen und sich in der Krise einem Kompromiss verweigern. Jeder von uns kennt solche Menschen. Sie sind bestimmt wertvoll – für alles mögliche Andere, aber nicht für Gründungen. „Team“ bedeutet also weniger Egoismus.

Versuchen Sie, in einem anfangs überschaubaren Umfeld Andere von Ihren Ideen und Ihrer Herangehensweise zu überzeugen. Lernen Sie zuerst, Ihre eigenen Ideen in dem freundlichen Umfeld „Team“ zu entwickeln. Die Kunden, die Wettbewerber, die Investoren, etc. sind nicht mehr so freundlich mit Ihnen und Sie werden Mitstreiter gut brauchen können. „Team“ ist also ein Synonym für die Vorbereitung auf die harte Welt da draussen.

Teams entstehen, weil die Menschen gerne Zeit miteinander verbringen. Teams werden unschlagbar, weil sie durch die Umsetzung zusammen geschweißt werden. „Team“ kann zwischenmenschlicher Sinn sein.

Wenn Sie kein Team zum Mitmachen finden, gründen Sie einfach selbst ein Team.

Potential mobiler Anwendungen

Dienstag, Oktober 7th, 2008

Wo liegen die Potentiale für zukünftige Geschäftsmodelle? Ganz sicherlich im Bereich mobiler Anwendungen.

„Mobile“ ist einerseits so alt, dass die meisten von uns den Innovationsgrad schon nicht mehr wahrnehmen: Mobile Telefone und PDAs sind im Alltag angekommen. Und andererseits wird gerade das gesamte Internet mobil.

Dieser (zwar lange aber gute) Vortrag zeichnet die Historie nach, in dieser Präsentation sind einige der heißesten Ideen zusammengestellt und diese Präsentation liefert einen guten Überblick der Geschäftsmodelle. Alle 3 regen vielleicht zu eigenen Ideen an…