Posts Tagged ‘Geschäftsidee’

Nicht zu recyceln

Mittwoch, April 21st, 2010

Die elektronische Revolution produziert Neuentwicklungen in einem atemberaubenden Tempo. Mit einem Mobiltelefon welches ein Jahr alt ist, wird es kaum noch gelingen der Coolste in der Clique zu sein und ein vor drei Monaten gekauftes Notebook ist häufig schon für die Hälfte des Preises zu haben.

Man denke an die vielen in nächtelanger Kleinarbeit gebrannten CDs, die mühevoll beschrifteten Hüllen, die gedruckten Booklets. Heute führt der Preisverfall bei Festplatten dazu, dass sämtliche Musik und alle Filme wieder gerippt werden um jederzeit schnell und platzsparend zur Verfügung zu stehen.

Was bleibt ist Müll. Alte CDs, Rohlinge, Jewel Cases. Nur ein Wert, der wertlos geworden ist, weil die Digitalisierung eine völlig neue Wertschöpfung ermöglicht hat.

Auch die Produkte eines Unternehmens oder die Ideen für eine Gründung unterliegen einer solchen „Inflation“.

Ist die Geschäftidee erstmal da, heißt es schnell sein. Austesten, ob Bedarf besteht und der erste am Markt sein. Eine Geschäftsidee oder die Idee für eine Dienstleistung lassen sich nur schwer rechtlich schützen. Auch kann es passieren, dass mehrere Personen sehr ähnliche Ideen haben und fast zeitgleich mit deren Umsetzung beginnen.

Die eigene Idee selbst realisieren bedeutet, der Konkurrenz immer einen Schritt voraus zu sein. Bauen Sie eine Marke auf. Seien Sie auf der Hut bei der Wahl von Kapitalgebern und Geschäftspartnern. Geben Sie Ihre Idee nicht leichtfertig an Andere weiter. Lassen Sie sich nicht aus Ihrem eigenen Projekt ausbooten.

Elektronikschrott hat wenigstens die Chance recycelt zu werden, überholte oder geklaute Ideen nicht.

Rezessionen sind Gründerzeiten

Dienstag, Mai 5th, 2009

Rezessionen sind wie Slow Motion.

Entscheidungen verzögern sich. Auftraggeber warten ab.

Menschen sind froh, ihren Job zu behalten. Ihre Gehaltserwartungen steigen nicht – und wenn sie auf den Arbeitsmarkt gehen müssen, sinken die Gehaltserwartungen sogar.

Man konzentriert sich auf das Wesentliche: Ist mein Produkt wirklich nützlich? Wer ist meine Zielgruppe? Wie kann ich den Interessenten noch intensiver bearbeiten, um ihn zum Kunden zu konvertieren?

Gründungen benötigen Zeit.

Eine Geschäftsidee muss 9 Monate reifen und durchläuft verschiedene -meist erhebliche- Veränderungen. Das Team muss zusammen finden. Von der anfänglichen Euphorie bis zur ersten richtigen Krise – und durch sie hindurch. Kontaktnetzwerke müssen aufgebaut werden. Der Prototyp muss programmiert werden.

Rezessionen und Gründung passen also zusammen.

Fehler kann man immer machen. In Boomzeiten sind die Auswirkungen der Fehler größer – also auch hier: Vorteil für rezessive Zeiten, da Fehler immer passieren und es einfach besser ist, wenn die Auswirkungen nicht so groß sind, dass niemand sie wieder einfangen kann.

Dieses Einfangen ist einfacher, wenn keine Investoren im Boot sind. Die Komplexität ist geringer, die Freiheitsgrade für die Lösung sind größer.

Wer es also schafft, in der Rezession ohne Investoren zu gründen, hat gute Voraussetzungen, auch in den Boomzeiten erfolgreich zu sein. Anders herum gilt das sicher nicht.

Und die Boomzeiten kommen bestimmt wieder!

Beim Pitching überzeugen

Samstag, Februar 14th, 2009

Sie werden zum Pitching eingeladen. Was kann man dort erreichen?

Pitching bedeutet: Eine Reihe sehr unterschiedlicher Zuhörer erlebt in 2-3 Stunden eine Reihe sehr unterschiedlicher Geschäftsideen und Teams und jeder Einzelne will entscheiden, ob er weitere Gespräche führen wird.

Versuchen Sie sich vorzustellen, was bei Ihnen nach 10 Präsentationen je 15 Minuten Dauer hängen bleiben würde, wenn die Präsentationen in verschiedenen Gliederungen erfolgen. Oder nach 15 Präsentationen je 7 Minuten Dauer.

Eine Geschäftsidee inhaltlich richtig zu würdigen, ist im Pitching eigentlich unmöglich. Auch die zuvor mit viel Energie erarbeitete Positionierung in Markt und Wettbewerb kommt oft nicht rüber. „Das gibt’s doch schon“ ist ein sehr häufiges Feedback nach Pitchings. Ignorieren Sie dieses Problem – man kann es im Pitching einfach nicht verhindern.

Beachten Sie aber den folgenden Punkt: Nach den zahlreichen Präsentationen stellt sich bei den Zuhörern ein Bild auf einer abstrakteren Ebene ein – und in diesem Bild sollten Sie klar positioniert sein. Keine der drei Ebenen ist besser als eine andere. Sie sind aber trennscharf hinsichtlich der Frage „Wofür wird die Unterstützung des Investors eigentlich benötigt?“

Ebene 1: Zwei bis drei Leute haben den Proof of Concept erreicht. Der Start ist erfolgt. Es handelt sich um eine „machbare Idee“. Der Investor wird für den Unternehmensaufbau gesucht. Die Risiken sind noch erheblich, es drohen: Kein Kundeninteresse, Teamzerfall, Scheitern an Routineprozessen, tödliches Stolpern, etc.

Ebene 2: Der erste Kunde oder der erste Investor wurde gefunden. Das Team ist komplett, alles wichtigen Prozesse sind einigermaßen vorhanden. Der Investor soll das Erreichen der Marktdominanz ermöglichen. Es drohen: Aufwachen übermächtiger Wettbewerber. Zusammenbrechen des Hypes. Tod durch stürmische Kundennachfrage, etc.

Ebene 3: Systematischer Vertrieb führte nachhaltig zu Kunden. Die operative Profitabilität ist erreicht oder erreichbar. Das Unternehmen hat eigenes Gewicht. Der Investor wird für das Erreichen der Weltherrschaft benötigt. Es drohen: Scheitern an Branchentrends oder in reifenden Märkten oder an strategischen Fehlentscheidungen, etc.

Auf diesen Ebenen sind alle Geschäftsideen eines Pitchings -völlig unabhängig von der Branche- plötzlich vergleichbar. Und jeder Investor hat eine Ausgangssituation (Portfolio der Beteiligungen, Interesse an weiteren Engagements, Fähigkeit zu unterstützen, etc.), die Sie kaum detailliert kennen werden und im Pitching auch nicht erfragen können.

Ganz wesentlich auf allen drei Ebenen ist die Frage des Investors: „Können die das?“ – mit der Betonung auf allen drei Wörtern: „Können? die? das?“. Zweimal „ja“ und einmal „nein“ reicht nicht – Sie benötigen ein „Die! können! das!“

Das Team muss zur Idee passen. Darum geht’s im Pitching. Mehr geht nicht in 7 oder 15 Minuten. Wenn Sie das erreichen, haben Sie alles erreicht, was man in einem Pitching erreichen kann.

Versuchen Sie, in möglichst vielen Präsentationen und durch ehrliches Feedback wohlmeinender Zeitgenossen herauszubekommen, welche Vorbehalte gegen Ihr Team vorhanden sein könnten, wenn Sie über Ihre Geschäftsidee sprechen!

Gespräche mit Bankern

Freitag, Januar 30th, 2009

In den vergangenen zwei Wochen habe ich wieder einmal einige Bankgespräche begleitet.

Wer nicht schon Cash Flow-positiv ist, kommt nicht darum herum, mit Bankern zu sprechen. Banker sind auch noch Berufsskeptiker. Das macht’s nicht besser.

Man benötigt Zeit, die eigene Idee zu erklären. Wie lange benötigen Sie, Ihre Geschäftsidee zu erklären? Ist eine Stunde zu viel? Angeblich ja, sagt man so landläufig. VCs haben ja sogar den Elevator Pitch erfunden, in dem man seine Geschäftsidee in 1 Minute auf den Punkt bringen soll.

Wir haben jedes Mal 45 Minuten bis 60 Minuten benötigt, die Idee zu präsentieren. Mit wenigen Zwischenfragen, die Zeit kosten können. Auch danach gab’s keine nennenswerten Fragen der Banker. Sondern nur die übliche Liste der Unterlagen, die einzureichen wären.

Diese Unterlagen (Businessplan mit Finanzplanung, Selbstauskunft, usw.) konnten wir noch am selben Tag per E-Mail zusenden.

Danach hatten wir innerhalb von wenigen Tagen konkrete Angebote auf dem Tisch liegen.

Finanzkrise? Nicht wirklich fühlbar.

Der Schlüssel zu diesem Erfolg ist ganz sicher „Gute Vorbereitung“.

Ideenklau – von Gründern

Samstag, November 15th, 2008

Was ist, wenn jemand meine Idee klaut?

Dann wird er sie vermutlich ganz anders umsetzen.

Jeder, der schon einmal mit einer Idee wirklich gestartet ist, weiß, dass sich seine Idee weiter entwickelt hat und diese spätestens nach 6 intensiven Monaten mit der ersten Idee nur noch wenig zu tun hatte. Ursprünglich fehlende Teile der Idee sind hinzugekommen und falsche Teilen der Idee haben nicht überlebt. Wer diese Erfahrung mit seiner Idee noch nicht gemacht hat, hat vermutlich auch noch nicht begonnen, sie wirklich umzusetzen.

Aber umsetzen bedeutet meist auch veröffentlichen. Spätestens dann kann jede Idee geklaut werden. Es dreht sich bei der Frage des Ideenklaus also hauptsächlich um unveröffentlichte Ideen.

Ideen sind individuell. Ihre fachliche Kompetenz, technisches Wissen, Team, Motivation und Effektivität (nicht: Finanzierung!) und vermutlich noch 118 weitere Erfolgsfaktoren sind entscheidend für Ihren Erfolg mit der Idee. Lieber die zweitbeste Idee mit dem erstbesten Team als anders herum – dieser Satz ist nicht von mir, er entspricht aber meiner Erfahrung.

Individuell heißt auch: Jeder Einzelne ist meist gut beschäftigt, eine einzige Idee umsetzen. Gründer heißen so, weil sie das schon tun – und haben daher logischerweise keinen echten Bedarf an einer weiteren Idee. Außer, sie wollen etwas Identisches gründen. Das ist aber wieder sehr unwahrscheinlich – siehe „individuell“ im vorstehenden Absatz. Außerdem merken Sie es im Gespräch – wenige Menschen stellen absichtlich blöde Fragen um zu verschleiern, dass sie eigentlich auch Ihre Idee umsetzen wollen.

Kommunizieren Sie Ihre Idee Gründern gegenüber also möglichst offen. Sie bekommen Feedback, das extrem wichtig ist und das Risiko des Ideenklaus bei weitem ausgleicht. Für Investoren gibt es eine andere Logik, die ich in einem weiteren Post behandeln werde.

Ärgerlich ist es, wenn jemand eine Idee klaut und anders umsetzt, aber dabei erfolgreicher als Sie ist. Aber Hand auf’s Herz: Wie sind Sie denn auf Ihre Idee gekommen? War es nicht vielleicht Ihre Beobachtungsgabe, eine Unzulänglichkeit bei Anderen gesehen zu haben? Haben Sie nicht selbst aus einer oder mehreren Ideen anderer Leute Ihre Idee entwickelt? Wie kommt man überhaupt auf eigene Ideen, wenn nicht durch Anregung von außen? Ohne die Kognitionswissenschaften bemühen zu wollen – eine „eigene Idee“ ist meist nur gefühlt eigen und hat sich bei Ihnen eingestellt, weil sie irgendwie in der Luft lag. Investoren, die einen guten Überblick über aktuelle Geschäftsideen und -modelle haben, bekommen immer (!) mehrere Businesspläne zu einer Idee auf den Tisch. Doch dazu, wie gesagt, später mehr.

Der Schlüssel gegen den Ideenklau liegt darin, der Idee eine eigene, persönliche, unverwechselbare Note zu geben (in der Beratersprache auch als Strategie bezeichnet) und diese Idee schnell umzusetzen. Denn in der Schnelligkeit liegt der beste Schutz: Nachahmer müssen noch schneller umsetzen und aus Fehlern lernen als Sie, wenn sie Ihnen die Show stehlen wollen. Das gelingt regelmässig nur den kleinen Nachahmern und die großen Konzerne scheitern genauso regelmässig daran.