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Herzblut

Donnerstag, April 9th, 2009

“Investoren kommen und gehen, die haben kein Herzblut” sagt Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß.

Auf den ersten Blick sieht das wie ein Nachteil aus. Gemeint ist, dass Entscheidungen über die Verwendung der Mittel, über den Ausstieg des Investors oder über das Nachschiessen weiterer Mittel in der Krise nach Kriterien getroffen werden, die der Unternehmer möglicherweise so nicht anlegen würde.

Der Unternehmer gibt das Unternehmen noch nicht verloren, möchte weiter in die Entwicklung eines Produkts investieren, weiteres Geld in die Werbung investieren, den Gewinn doch noch erreichen, etc. Der Investor “zieht den Stecker”, er beendet das Abenteuer, er begrenzt den entstandenen Verlust.

Soweit der erste Blick. Ein starker Unternehmer geht unbeirrt voran. Kaum zu bremsen und manchmal nicht zu steuern. Dieses Unsteuerbare ist das Problem. Es kann auch bei Unternehmerteams auftreten – ist aber weniger wahrscheinlich, weil zwei oder drei Gründer häufiger als Einzelgründer in einem konstruktiven Diskussionsprozess das Machbare von dem Unmöglichen trennen können. Aber auch Gründerteams benötigen ein Gegengewicht, einen Sparringspartner, eine Instanz, die ihre Entscheidungen herausfordert, bevor es der Markt tut.

Denn solange die Geschäftsführer in Personalunion auch Gesellschafter sind, kann man diesen Effekt nicht von ihnen erwarten – so schizophren ist niemand.

Hier kann der Investor nützlich sein. Er hinterfragt. Und zwar ohne Emotion und Herzblut. Am besten konstruktiv und mit einer eigenen Sicht auf das Geschäftsmodell, die Marktpositionierung, die Wettbewerbsstrategie, etc. – aber nicht als “Über-Geschäftsführung”, die alle operativen Entscheidungen bewertet sondern als “Anspruchsteller”, der einen Return on Investment erwartet.

Dadurch entsteht zusätzlich zu den strategischen und operativen Zielen des Unternehmens eine weitere Zielsetzung für die Geschäftsführung, die gleichzeitig verfolgt und erreicht werden muss. Übrigens eine Zielsetzung, die die Gesellschafter-Geschäftsführer mit ihrem “Gesellschafterhut” auch verfolgen sollten, wenn sie es denn könnten – siehe Schizophrenie.

Entscheiden Sie selbst, ob Sie auf den zweiten Blick aus der Sicht eines Investors verzichten wollen!

Leistungserwartung

Samstag, März 7th, 2009

Wir sind noch immer beim Thema “Chef-Mitarbeiter” oder auch “Mitarbeiter-Chef” des vorhergehenden Beitrags.

Das Verhalten sei ungetrübt. Die Beziehung auch. Aber die Leistung stimmt nicht.

Jedenfalls sagt das der Chef über die Arbeitsergebnisse des Mitarbeiters. Oder auch der Mitarbeiter über die Aufgabenzuteilung oder die Vertretung nach außen/oben durch den Chef.

Eine bestimmte, konkrete Leistung kann man nur fachlich bewerten. Am besten ist es, wenn Mitarbeiter und Chef beide mit Fachkenntnis ausgestattet sind und es einen Maßstab gibt, auf den man sich einigen kann. Also beispielsweise der Chef eine Grundahnung von Java-Programmierung hat und der Mitarbeiter die Grundlagen des Projektmanagements kennt. So dass jeder die Welt des anderen wirklich verstehen kann. In der Praxis ist das selten der Fall. Daher die Probleme der unterschiedlichen Leistungserwartung.

Der Maßstab kann eigentlich nur ein anderer Mitarbeiter oder ein anderer Chef sei. Fachliteratur hilft nicht weiter. Externe Experten sind zwar manchmal hilfreiche Impulsgeber aber keine Dauerlösung für die tägliche Zusammenarbeit.

Deshalb sind Teams die Lösung: Es gibt von allen Kompetenzen mehrere Personen – also mehrere Java-Programmierer und mehrere Projektleiter oder Kundenbetreuer. Damit kann man immer vergleichen und hat einen plausiblen Maßstab schnell und kostengünstig zur Hand.

Einen Fehler darf man aber keinesfalls machen – und er ist enorm naheliegend: Regelmässig den Schwächsten rauswerfen. Auch wenn der eine Java-Programmierer regelmässig schwächere Leistungen als der Kollege und der eine Chef regelmässig schwächere Leistungen als der Co-Chef zeigt, dürfen sie nicht auf der Abschussliste stehen. Die Folgen auf das Betriebsklima wären verheerend – in einer Gruppe aus zwei oder mehr Personen ist immer (!!!) einer der Schwächere und die Abschussregel wird spätestens nach dem zweiten Abschuss jeder durchschaut haben.

Also einfach konstant schlechte Leistung tolerieren?

Selbstverständlich nicht. Jedenfalls nicht in der Privatwirtschaft. (In anderen Organisationsformen habe ich die Personalentwicklungsstrategien noch nicht verstanden.)

Worauf es ankommt: Laufende Verbesserung erreichen. Durch eigenes Bemühen als Mitarbeiter, ein besserer Java-Programmierer zu werden und als Chef, ein besserer Projektmanager/ Kundenbetreuer zu werden. Und durch Kommunikation zwischen Chefs und Mitarbeitern über genau dieses Thema. Ohne Schuldzuweisungen – sondern konstruktiv. Und durch gemeinsame Anstrengung. Wenn die Mitarbeiter erkennen, dass auch die Chefs noch üben, ist nichts verloren sondern viel gewonnen.

Und wenn alle bemerken, wie sie laufend besser werden…hat ein Unternehmen alle Voraussetzungen, ein echter Champion zu werden.

“Nehmen Sie die Menschen, wie sie sind, es gibt nämlich keine anderen.” soll Konrad Adenauer gesagt haben. Das sehe ich auch so.

Menschenmanagement

Samstag, Februar 28th, 2009

Haben Sie sich schon einmal über Ihren Chef geärgert? Der Ihre Arbeit nicht gewürdigt hat?

Meine Erfahrung aus der Tätigkeit als Unternehmensberater seit 1986 ist: Jedes Unternehmen hat die Mitarbeiter, die es verdient.

Aber auch: Jeder Mitarbeiter hat den Chef, den er/sie verdient. Im Großkonzern gilt das nur eingeschränkt, da man die Strukturen gar nicht und die Menschen oft recht wenig beeinflussen kann. Im kleinen Unternehmen ist das anders, da kann man selbst ganz erheblich mitgestalten. Hierarchien sind nicht so ausgeprägt, die Leute sind leichter im Büroalltag zu treffen und verschanzen sich nicht hinter Statussymbolen, Fachjargon, usw.

Wer diese Gelegenheit zur Gestaltung nicht nutzt, ist erstens selbst Schuld und wird zweitens in einer größeren oder anderen Organisation auch nicht glücklich werden. Wechseln hilft nicht, das Problem wird dort wieder auftreten, da es Ihr persönliches Problem ist.

Was kann man tun?

Es hilft, sich Mühe zu geben – einerseits fachlich und andererseits zwischenmenschlich-kommunikativ.

Wenn erkennbar ist, dass Sie sich fachlich einsetzen, haben Sie eine sehr wichtige Basis gelegt. Darauf komme ich gleich zurück. Wenn Sie Ihre Unzufriedenheit gegenüber der Person, über die Sie sich ärgern ansprechen, bekommen Sie (beide!) die Gelegenheit, die (gemeinsame!) Situation aus einem anderen Blickwinkel zu erfahren. Unter der Annahme, dass die Beziehung nicht tiefgreifend gestört ist, wird sich daraus ganz sicher ein Erkenntnisprozess ergeben verbunden mit der Chance, auch ohne umfangreiche Maßnahmenkataloge und allein durch die Bewußtwerdung, eine Verbesserung der Beziehung und nachfolgend auch der Zusammenarbeit herbeizuführen.

Das funktioniert aber nur, wenn die sachlich-fachliche Basis stimmt. Wenn es dort tatsächliche Defizite geben sollte, werden diese immer in den Klärungsprozess hineinspielen und Schuldzuweisungen machen es schwieriger, allein über die Unzufriedenheit in der zwischenmenschlichen Beziehung zu sprechen. Verhalten Sie sich so, dass nicht schon Ihr Verhalten der Anlass für Unzufriedenheit ist! In diesen Punkt spielt auch die Leistungserwartung hinein – dazu komme ich in einem eigenen Beitrag.

Gelten diese Aussagen nur für die Blickrichtung Chef – Mitarbeiter? Nein, sie gelten in beiden Richtungen! Bitte lesen Sie die vorhergehenden zwei Absätze noch einmal vor diesem Hintergrund…

Das Jammern der Mitarbeiter über die Chefs ist genauso unangebracht wie das Jammern der Chefs über die Mitarbeiter. Also aufhören zu jammern und anfangen zu kommunizieren!

Beim Pitching überzeugen

Samstag, Februar 14th, 2009

Sie werden zum Pitching eingeladen. Was kann man dort erreichen?

Pitching bedeutet: Eine Reihe sehr unterschiedlicher Zuhörer erlebt in 2-3 Stunden eine Reihe sehr unterschiedlicher Geschäftsideen und Teams und jeder Einzelne will entscheiden, ob er weitere Gespräche führen wird.

Versuchen Sie sich vorzustellen, was bei Ihnen nach 10 Präsentationen je 15 Minuten Dauer hängen bleiben würde, wenn die Präsentationen in verschiedenen Gliederungen erfolgen. Oder nach 15 Präsentationen je 7 Minuten Dauer.

Eine Geschäftsidee inhaltlich richtig zu würdigen, ist im Pitching eigentlich unmöglich. Auch die zuvor mit viel Energie erarbeitete Positionierung in Markt und Wettbewerb kommt oft nicht rüber. “Das gibt’s doch schon” ist ein sehr häufiges Feedback nach Pitchings. Ignorieren Sie dieses Problem – man kann es im Pitching einfach nicht verhindern.

Beachten Sie aber den folgenden Punkt: Nach den zahlreichen Präsentationen stellt sich bei den Zuhörern ein Bild auf einer abstrakteren Ebene ein – und in diesem Bild sollten Sie klar positioniert sein. Keine der drei Ebenen ist besser als eine andere. Sie sind aber trennscharf hinsichtlich der Frage “Wofür wird die Unterstützung des Investors eigentlich benötigt?”

Ebene 1: Zwei bis drei Leute haben den Proof of Concept erreicht. Der Start ist erfolgt. Es handelt sich um eine “machbare Idee”. Der Investor wird für den Unternehmensaufbau gesucht. Die Risiken sind noch erheblich, es drohen: Kein Kundeninteresse, Teamzerfall, Scheitern an Routineprozessen, tödliches Stolpern, etc.

Ebene 2: Der erste Kunde oder der erste Investor wurde gefunden. Das Team ist komplett, alles wichtigen Prozesse sind einigermaßen vorhanden. Der Investor soll das Erreichen der Marktdominanz ermöglichen. Es drohen: Aufwachen übermächtiger Wettbewerber. Zusammenbrechen des Hypes. Tod durch stürmische Kundennachfrage, etc.

Ebene 3: Systematischer Vertrieb führte nachhaltig zu Kunden. Die operative Profitabilität ist erreicht oder erreichbar. Das Unternehmen hat eigenes Gewicht. Der Investor wird für das Erreichen der Weltherrschaft benötigt. Es drohen: Scheitern an Branchentrends oder in reifenden Märkten oder an strategischen Fehlentscheidungen, etc.

Auf diesen Ebenen sind alle Geschäftsideen eines Pitchings -völlig unabhängig von der Branche- plötzlich vergleichbar. Und jeder Investor hat eine Ausgangssituation (Portfolio der Beteiligungen, Interesse an weiteren Engagements, Fähigkeit zu unterstützen, etc.), die Sie kaum detailliert kennen werden und im Pitching auch nicht erfragen können.

Ganz wesentlich auf allen drei Ebenen ist die Frage des Investors: “Können die das?” – mit der Betonung auf allen drei Wörtern: “Können? die? das?”. Zweimal “ja” und einmal “nein” reicht nicht – Sie benötigen ein “Die! können! das!”

Das Team muss zur Idee passen. Darum geht’s im Pitching. Mehr geht nicht in 7 oder 15 Minuten. Wenn Sie das erreichen, haben Sie alles erreicht, was man in einem Pitching erreichen kann.

Versuchen Sie, in möglichst vielen Präsentationen und durch ehrliches Feedback wohlmeinender Zeitgenossen herauszubekommen, welche Vorbehalte gegen Ihr Team vorhanden sein könnten, wenn Sie über Ihre Geschäftsidee sprechen!

Gespräche mit Bankern

Freitag, Januar 30th, 2009

In den vergangenen zwei Wochen habe ich wieder einmal einige Bankgespräche begleitet.

Wer nicht schon Cash Flow-positiv ist, kommt nicht darum herum, mit Bankern zu sprechen. Banker sind auch noch Berufsskeptiker. Das macht’s nicht besser.

Man benötigt Zeit, die eigene Idee zu erklären. Wie lange benötigen Sie, Ihre Geschäftsidee zu erklären? Ist eine Stunde zu viel? Angeblich ja, sagt man so landläufig. VCs haben ja sogar den Elevator Pitch erfunden, in dem man seine Geschäftsidee in 1 Minute auf den Punkt bringen soll.

Wir haben jedes Mal 45 Minuten bis 60 Minuten benötigt, die Idee zu präsentieren. Mit wenigen Zwischenfragen, die Zeit kosten können. Auch danach gab’s keine nennenswerten Fragen der Banker. Sondern nur die übliche Liste der Unterlagen, die einzureichen wären.

Diese Unterlagen (Businessplan mit Finanzplanung, Selbstauskunft, usw.) konnten wir noch am selben Tag per E-Mail zusenden.

Danach hatten wir innerhalb von wenigen Tagen konkrete Angebote auf dem Tisch liegen.

Finanzkrise? Nicht wirklich fühlbar.

Der Schlüssel zu diesem Erfolg ist ganz sicher “Gute Vorbereitung”.

Mein erstes Barcamp

Sonntag, Januar 25th, 2009

Mit Martin war ich von Freitag bis heute Mittag beim Tourismuscamp II in Eichstätt. Zusammenfassung: Jede Minute war wertvoll. Wir haben mit navando einen riesigen Schritt nach vorne gemacht. Insbesondere: Feststellen, was die Touristiker momentan beschäftigt und welche Ziele, Ansatzpunkte und Barrieren für Location Based Services im Tourismus bestehen.

Ein kleiner Nebeneffekt: Ich habe begonnen, zu Twittern. Warum? Twitter kann, in Verbindung mit einem Blog und einem Facebook-Account positive Rückkopplungseffekte erzeugen – das Gold des E-Commerce. Danke an Florian für seine Überzeugungsarbeit und Schilderung, welche Effekte hier wirken!

Mal sehen, ob Twitter meine Kommunikation verbessern kann.

Wie relevant sind Barcamps? Wie könnte man einen Impact Indicator entwickeln? Wie kann man die Qualität und die Reichweite der Inhalte eines Barcamps messen? Dazu haben wir in der letzten Session des zweiten Tages nachgedacht.

Wichtig war für mich der Gedanke, dass Barcamps eine Form des Transfers zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sein können (43:12). Im Ergebnis bleibt es wohl die Aufgabe der Wissenschaft, aus den zahlreichen Fakten dieser Welt zu abstrahieren. Barcamps sind Realtime und mit zahlreichen Zwischentönen versehen – Ersteres ist für den Wissenschaftler kaum zu verarbeiten, wenn es nicht Zusammenfassungen gibt. Diese sollten als Blogartikel zurück verlinkt und insbesondere in’s Barcamp-Wiki gestellt werden.

Was ist ein CTO?

Mittwoch, Dezember 10th, 2008

CTO steht für Chief Technology Officer, also den technischen Leiter.

Er ist verantwortlich dafür, dass die technische Seite der Gründung optimal funktioniert.

Die folgenden Ausführungen beziehen sich hauptsächlich auf IT-Gründungen – sie sollten aber leicht auf andere Branchen übertragbar sein.

Was bedeutet “technische Seite”?

Sehr wichtig: Die richtige Entscheidung über die Systemarchitektur und die Auswahl der zugrundeliegenden Technologien. Ohne eine jahrzehntelange Erfahrung in der IT gar nicht so einfach. Mit einer ausgeprägten Stärke des CTO bei z.B. Datenbanken oder Java auch gefährlich, da nicht jede Technologie für jedes Problem geeignet ist.

Der CTO benötigt den Überblick. Was macht man mit welcher Datenbank, Programmiersprache, Präsentationstechnologie, etc.? Wenn er den Überblick noch nicht hat: Neugierde und die Fähigkeit, Wissensträger zu identifizieren und anzusprechen.

Noch wichtiger ist jedoch die Architektur der Plattform bzw. Software, die das Unternehmen heute beginnt, zu erstellen und die vermutlich mindestens 5 Jahre Bestand haben soll. Wie werden Module geschnitten? Welche Anwendungsfälle sind zu berücksichtigen?

Aber am wichtigsten ist es, Komplexität reduzieren. Hosting outsourcen. Standards bei Tools (Oracle?, AJAX?, Typo3?) und für die Entwicklungsprozesse (Lastenheft? Eclipse?, SVN? Trac?) schaffen. Routine entsteht nur dadurch, dass nicht alles jeden Tag neu erfunden wird. Effektivität entsteht durch Wiederverwendung. Sicherheit (und Teamspirit!) entsteht durch quaifizierte Mitarbeiter, die sich (in Grenzen) jederzeit ersetzen können oder gemeinsam knifflige Situationen meistern können. Ein Programmiererteam, das selbstständig Probleme lösen kann, entlastet den CTO – und genau das sollte ein guter CTO anstreben.

Was bedeutet “optimal funktioniert”?

Dass Systeme laufen müssen, ist klar. 99,99% uptime sind schnell gefordert und nicht für jeden Dienst erforderlich. Darum geht es zwar auch, aber nicht hauptsächlich.

Die schwerwiegenden Fehler entstehen häufig aus schlechten Prozessen in der Technik. Schlechter Code. Fehlende Reviews. Unzureichende Testprozesse. “Vergessene” Tests. Zusammenfassend: Organisatorische Versäumnisse, die ein Zusammenspiel der Menschen erlauben, das zu Fehlern führt.

In der Organisationstheorie gibt es den Gedanken, dass es ein Ziel von Organisation ist, von einzelnen Menschen unabhängig zu werden und die unvermeidlichen Fehler des Einzelnen zu kompensieren. Eine gute Organisation bringt sogar weitgehend unfähige Menschen zu Erfolgen!

Dieses ist die erste Hauptaufgabe des CTO.

Muss der CTO genial oder fleißig sein?

Beides. In der Startphase und bei jeder neuen Produktentwicklung wieder genial. Dazwischen fleißig, die angesprochenen organisatorischen Prozesse in der Technik im Detail zu beherrschen.

In der Startphase treffen sich häufig mehrere geniale Techniker, die mit Eifer eine neue Software entwickeln. Irgendwann kommt dann eine nicht so interessante Betriebsphase hinzu, in der das im Markt positionierte Produkt “am Leben erhalten werden muss” – also verlässlich funktioniert. Für wirklich geniale Entwickler, die Raketenbauer, eine eigentlich uninteressante Aufgabe.

Hier muss der CTO die richtigen Personalentscheidungen herbeiführen und das Team frühzeitig ergänzen. Es werden Techniker gesucht, die Qualität liefern können – und zwar täglich und ohne Ausfälle. Diese Lokomotivführer tragen Verantwortung und ihnen gebührt das Lob für den (technischen) Markterfolg. Ein guter CTO erkennt, wie er (sich und) sein Team personell ergänzen muss.

Dieses ist die zweite Hauptaufgabe des CTO.

In dem Sinne: Diese Qualitäten müssen aus Ihrem Businessplan erkennbar sein, den Sie in der kommenden ersten Stufe des Businessplan-Wettbewerbs Berlin-Brandenburg einreichen können.

Nehmen Sie am Basisseminar Nr. 3 “Gründer und Team” teil!

Ideenklau – von Investoren

Samstag, November 22nd, 2008

Gründern sollte man von den eigenen Ideen erzählen. Siehe dazu in diesem Post.

“Unveröffentlichte Ideen” habe ich dort noch nicht behandelt. Für diese unveröffentlichten Ideen bleiben als “Interessenten” eigentlich auch nur noch Investoren übrig.

Der Schutz gegenüber Investoren ist relativ einfach: Nur den Nutzen kommunizieren und die technischen Raffinessen weglassen. Damit kann ein Investor relativ wenig Mißbrauch treiben, da er als Investor regelmässig nicht über die technische Kompetenz verfügt, die Idee selbst umzusetzen.

Allerdings besteht die Gefahr, dass es ein Unternehmen in seinem Portfolio gibt, das diese Idee sehr wohl umsetzen könnte. Doch das können und müssen Sie recherchieren, bevor Sie mit dem Investor sprechen. Wer diese Hausaufgabe nicht macht, handelt grob fahrlässig! Zur Sicherheit, d.h. falls nicht alle Beteiligungen des Investors bekannt sind (oder er momentan eine Beteiligung eingeht, die aber noch nicht veröffentlicht ist), fragen Sie ausdrücklich nach, ob es bereits Beteiligungen im Bereich X gibt, die einen Interessenskonflikt bedeuten könnten.

Interessenskonflikt ist nämlich das Schlüsselwort für einen Investor (und auch für profesionelle Berater – leider sind im Gegensatz zu den Investoren die Berater häufiger als die Investoren in diesem Punkt unprofessionell). Er wird kaum “nein” antworten und dennoch wenige Tage oder Wochen später auf seiner Website einen Ihrer Wettbewerber als Beteiligung listen. Man kann es natürlich nie ausschließen, ich halte es aber für unwahrscheinlich.

Es besteht aber eine andere Gefahr, die man tatsächlich nicht ausschließen kann: Investoren wollen möglicherweise eine andere Idee absichern, d.h. sie befinden sich in der Prüfung für eine konkrete Beteiligung und haben Interesse an Marktzahlen, Marktteilnehmern und an Geschäftsmodellen aus Ihrem Bereich. Die an Sie gerichtete Bitte, Ihren Businessplan zuzusenden bedeutet dann, dass der Investor die entsprechenden Kapitel mit Interesse lesen wird, um die Informationen in den Verhandlungen mit Ihrem Wettbewerber (den Sie vielleicht sogar ausführlich beschrieben haben!) zu verwenden.

Das ist natürlich ärgerlich, denn warum sollten Sie seine Hausaufgaben erledigen ohne eine Chance auf ein Investment zu haben?

Es ist aber -vermutlich- nicht wirklich gefährlich. Ihre Idee wird der Investor nicht weitergeben, wenn er einigermaßen professionell agiert. Ohne Garantie, aber ich halte es einfach für unwahrscheinlich. Welche Wirkung hätte es auf seinen Verhandlungspartner (Ihren Wettbewerber), wenn er Ihren Businessplan einfach durchreicht oder Vertrauliches daraus verwendet? Der Schaden für ihn wäre erheblich. Zumal er annehmen muss, dass Sie oder Ihr Team persönliche Kontakte zu dem Wettbewerber haben oder durch Mitarbeiterwechsel haben werden.

Häufig müssen Investoren Ihre Idee auch gar nicht klauen, da sie sie schon haben. Aus dem Silicon Valley stammt der Satz “100 Teams haben dieselbe Idee, 10 setzen sie um und 1 Team wird erfolgreich”. Investoren sehen diese 10 Teams zwar nicht alle, aber doch einige davon, da Businesspläne (leider!) weit gestreut werden.

Sie sehen diese Businesspläne natürlich nicht. Auch das ist eine Erkenntnis, die übrigens logisch gesehen das genaue Gegenteil von “Ideenklau durch den Investor” ist. Sie könnten eine Idee klauen, wenn Sie es schaffen, mit dem Investor in einen vertiefenden Dialog zu Ihrer Idee zu kommen.

Fazit: Die intuitive Angst ist berechtigt. Seien Sie vorsichtig, wenn Sie mit Investoren sprechen. Machen Sie Ihre Hausaufgaben. Wenn ein Investor interessiert ist, bedeutet das, es ist “Markt vorhanden”.

Das könnte Ihre wichtigste Erkenntnis aus dem Interesse eines Investors sein, auch wenn er nicht investiert.

Ideenklau – von Gründern

Samstag, November 15th, 2008

Was ist, wenn jemand meine Idee klaut?

Dann wird er sie vermutlich ganz anders umsetzen.

Jeder, der schon einmal mit einer Idee wirklich gestartet ist, weiß, dass sich seine Idee weiter entwickelt hat und diese spätestens nach 6 intensiven Monaten mit der ersten Idee nur noch wenig zu tun hatte. Ursprünglich fehlende Teile der Idee sind hinzugekommen und falsche Teilen der Idee haben nicht überlebt. Wer diese Erfahrung mit seiner Idee noch nicht gemacht hat, hat vermutlich auch noch nicht begonnen, sie wirklich umzusetzen.

Aber umsetzen bedeutet meist auch veröffentlichen. Spätestens dann kann jede Idee geklaut werden. Es dreht sich bei der Frage des Ideenklaus also hauptsächlich um unveröffentlichte Ideen.

Ideen sind individuell. Ihre fachliche Kompetenz, technisches Wissen, Team, Motivation und Effektivität (nicht: Finanzierung!) und vermutlich noch 118 weitere Erfolgsfaktoren sind entscheidend für Ihren Erfolg mit der Idee. Lieber die zweitbeste Idee mit dem erstbesten Team als anders herum – dieser Satz ist nicht von mir, er entspricht aber meiner Erfahrung.

Individuell heißt auch: Jeder Einzelne ist meist gut beschäftigt, eine einzige Idee umsetzen. Gründer heißen so, weil sie das schon tun – und haben daher logischerweise keinen echten Bedarf an einer weiteren Idee. Außer, sie wollen etwas Identisches gründen. Das ist aber wieder sehr unwahrscheinlich – siehe “individuell” im vorstehenden Absatz. Außerdem merken Sie es im Gespräch – wenige Menschen stellen absichtlich blöde Fragen um zu verschleiern, dass sie eigentlich auch Ihre Idee umsetzen wollen.

Kommunizieren Sie Ihre Idee Gründern gegenüber also möglichst offen. Sie bekommen Feedback, das extrem wichtig ist und das Risiko des Ideenklaus bei weitem ausgleicht. Für Investoren gibt es eine andere Logik, die ich in einem weiteren Post behandeln werde.

Ärgerlich ist es, wenn jemand eine Idee klaut und anders umsetzt, aber dabei erfolgreicher als Sie ist. Aber Hand auf’s Herz: Wie sind Sie denn auf Ihre Idee gekommen? War es nicht vielleicht Ihre Beobachtungsgabe, eine Unzulänglichkeit bei Anderen gesehen zu haben? Haben Sie nicht selbst aus einer oder mehreren Ideen anderer Leute Ihre Idee entwickelt? Wie kommt man überhaupt auf eigene Ideen, wenn nicht durch Anregung von außen? Ohne die Kognitionswissenschaften bemühen zu wollen – eine “eigene Idee” ist meist nur gefühlt eigen und hat sich bei Ihnen eingestellt, weil sie irgendwie in der Luft lag. Investoren, die einen guten Überblick über aktuelle Geschäftsideen und -modelle haben, bekommen immer (!) mehrere Businesspläne zu einer Idee auf den Tisch. Doch dazu, wie gesagt, später mehr.

Der Schlüssel gegen den Ideenklau liegt darin, der Idee eine eigene, persönliche, unverwechselbare Note zu geben (in der Beratersprache auch als Strategie bezeichnet) und diese Idee schnell umzusetzen. Denn in der Schnelligkeit liegt der beste Schutz: Nachahmer müssen noch schneller umsetzen und aus Fehlern lernen als Sie, wenn sie Ihnen die Show stehlen wollen. Das gelingt regelmässig nur den kleinen Nachahmern und die großen Konzerne scheitern genauso regelmässig daran.

Fachkenntnis und Prozesskenntnis

Samstag, November 8th, 2008

Sie haben eine Idee. Eine Vision. Ein Team.

Das Fachliche ist weitgehend vorhanden. Auch wenn sich die Idee verändern wird. Oder die Vision an der Realität und dem zunehmenden Kenntnisstand erwachsen wird. Und das Team sich verändert – bis hin zum Austausch von Teammitgliedern, die anfangs eine zentrale Rolle übernommen haben.

Aber wie funktioniert es, eine Idee zu verändern, eine Vision zu entwickeln, ein Team zu formen?

Hier sind Prozesse angesprochen, die man an keiner Schule lernen kann sondern nur in der Praxis.

Wie bei allem, das man zum ersten Mal macht, kann es schief gehen. Und auch: Wie alles im Leben kann man es lernen. Und die Übung macht den Meister.

Im Kombinat finden diese Prozesse regelmässig statt. Bei drei Unternehmen und den jeweils mehreren Projekten pro Unternehmen ist eigentlich immer gerade irgendeine (kleine oder größere) Krise aktuell.

Das Kombinat ist nun 4 Monate alt. Und ich bemerke an diesen Krisen, wie ähnlich Gründungen doch sind – jedenfalls in den Prozessen, die nicht das Fachliche betreffen. Aus meiner Perspektive (und Erfahrung aus anderen Gründungen, die ich aber eher seriell erlebt habe und damit diese offensichtliche Zwangsläufigkeit und Ähnlichkeit nicht so bemerkt habe) ist manches schon einmal dagewesen.

Das beruhigt – nicht nur mich sondern auch die Unternehmer und ihre Mitarbeiter.