Zielgruppe geändert

Mein Lieblingsitaliener hat seine Zielgruppe geändert.

Früher (als alles besser war) gab es Mittagsgerichte für 4-6 Euro und einen herzlichen Service.

Dann wurde die eine Hälfte des Lokals renoviert. Zuerst die braune „klassische“ Eckbank raus, dann neu gestrichen. Neue Stühle. Ich blieb in der mir vertrauten „alten“ Hälfte des Restaurants.

Eines Tages gab es eine neue Speisekarte. Farbig, mit einem Laserdrucker ausgedruckt. Und erheblich höheren Preisen. Wo früher 6 Euro stand steht jetzt 9 Euro. Aha, der Drucker musste wohl refinanziert werden. Da der herzliche Service blieb, konnte ich es akzeptieren. Was nützt mir mein Lieblingsitaliener, wenn er Insolvenz anmelden muss, weil er Verluste macht? Dann wäre es mit der Herzlichkeit dahin. Ich hatte beschlossen, diese Änderung in der Produktpolitik mitzutragen, da sie zum beiderseitigen Vorteil sein würde.

Dann kam die andere Hälfte des Lokals dran. Hellere Farben, helleres Licht, gemütlichere gepolsterte Stühle. Ich fand es es ungewohnt, aber der herzliche Service war noch da und so hielt sich der Schreck in Grenzen.

Jetzt bekomme ich zum Kaffee ein Zuckertütchen mit dem Aufdruck „Vitanas Senioren Centrum Schäferberg“ und einem Bild von zwei Senioren, die Hand in Hand eine Allee hinunterspazieren.

Alles klar.

Wer also eine andere Zielgruppe ansprechen möchte, sollte es konsequent tun. Bis zum Zuckertütchen.

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