Archiv für November, 2008

Ideenklau – von Investoren

Samstag, November 22nd, 2008

Gründern sollte man von den eigenen Ideen erzählen. Siehe dazu in diesem Post.

„Unveröffentlichte Ideen“ habe ich dort noch nicht behandelt. Für diese unveröffentlichten Ideen bleiben als „Interessenten“ eigentlich auch nur noch Investoren übrig.

Der Schutz gegenüber Investoren ist relativ einfach: Nur den Nutzen kommunizieren und die technischen Raffinessen weglassen. Damit kann ein Investor relativ wenig Mißbrauch treiben, da er als Investor regelmässig nicht über die technische Kompetenz verfügt, die Idee selbst umzusetzen.

Allerdings besteht die Gefahr, dass es ein Unternehmen in seinem Portfolio gibt, das diese Idee sehr wohl umsetzen könnte. Doch das können und müssen Sie recherchieren, bevor Sie mit dem Investor sprechen. Wer diese Hausaufgabe nicht macht, handelt grob fahrlässig! Zur Sicherheit, d.h. falls nicht alle Beteiligungen des Investors bekannt sind (oder er momentan eine Beteiligung eingeht, die aber noch nicht veröffentlicht ist), fragen Sie ausdrücklich nach, ob es bereits Beteiligungen im Bereich X gibt, die einen Interessenskonflikt bedeuten könnten.

Interessenskonflikt ist nämlich das Schlüsselwort für einen Investor (und auch für profesionelle Berater – leider sind im Gegensatz zu den Investoren die Berater häufiger als die Investoren in diesem Punkt unprofessionell). Er wird kaum „nein“ antworten und dennoch wenige Tage oder Wochen später auf seiner Website einen Ihrer Wettbewerber als Beteiligung listen. Man kann es natürlich nie ausschließen, ich halte es aber für unwahrscheinlich.

Es besteht aber eine andere Gefahr, die man tatsächlich nicht ausschließen kann: Investoren wollen möglicherweise eine andere Idee absichern, d.h. sie befinden sich in der Prüfung für eine konkrete Beteiligung und haben Interesse an Marktzahlen, Marktteilnehmern und an Geschäftsmodellen aus Ihrem Bereich. Die an Sie gerichtete Bitte, Ihren Businessplan zuzusenden bedeutet dann, dass der Investor die entsprechenden Kapitel mit Interesse lesen wird, um die Informationen in den Verhandlungen mit Ihrem Wettbewerber (den Sie vielleicht sogar ausführlich beschrieben haben!) zu verwenden.

Das ist natürlich ärgerlich, denn warum sollten Sie seine Hausaufgaben erledigen ohne eine Chance auf ein Investment zu haben?

Es ist aber -vermutlich- nicht wirklich gefährlich. Ihre Idee wird der Investor nicht weitergeben, wenn er einigermaßen professionell agiert. Ohne Garantie, aber ich halte es einfach für unwahrscheinlich. Welche Wirkung hätte es auf seinen Verhandlungspartner (Ihren Wettbewerber), wenn er Ihren Businessplan einfach durchreicht oder Vertrauliches daraus verwendet? Der Schaden für ihn wäre erheblich. Zumal er annehmen muss, dass Sie oder Ihr Team persönliche Kontakte zu dem Wettbewerber haben oder durch Mitarbeiterwechsel haben werden.

Häufig müssen Investoren Ihre Idee auch gar nicht klauen, da sie sie schon haben. Aus dem Silicon Valley stammt der Satz „100 Teams haben dieselbe Idee, 10 setzen sie um und 1 Team wird erfolgreich“. Investoren sehen diese 10 Teams zwar nicht alle, aber doch einige davon, da Businesspläne (leider!) weit gestreut werden.

Sie sehen diese Businesspläne natürlich nicht. Auch das ist eine Erkenntnis, die übrigens logisch gesehen das genaue Gegenteil von „Ideenklau durch den Investor“ ist. Sie könnten eine Idee klauen, wenn Sie es schaffen, mit dem Investor in einen vertiefenden Dialog zu Ihrer Idee zu kommen.

Fazit: Die intuitive Angst ist berechtigt. Seien Sie vorsichtig, wenn Sie mit Investoren sprechen. Machen Sie Ihre Hausaufgaben. Wenn ein Investor interessiert ist, bedeutet das, es ist „Markt vorhanden“.

Das könnte Ihre wichtigste Erkenntnis aus dem Interesse eines Investors sein, auch wenn er nicht investiert.

Ideenklau – von Gründern

Samstag, November 15th, 2008

Was ist, wenn jemand meine Idee klaut?

Dann wird er sie vermutlich ganz anders umsetzen.

Jeder, der schon einmal mit einer Idee wirklich gestartet ist, weiß, dass sich seine Idee weiter entwickelt hat und diese spätestens nach 6 intensiven Monaten mit der ersten Idee nur noch wenig zu tun hatte. Ursprünglich fehlende Teile der Idee sind hinzugekommen und falsche Teilen der Idee haben nicht überlebt. Wer diese Erfahrung mit seiner Idee noch nicht gemacht hat, hat vermutlich auch noch nicht begonnen, sie wirklich umzusetzen.

Aber umsetzen bedeutet meist auch veröffentlichen. Spätestens dann kann jede Idee geklaut werden. Es dreht sich bei der Frage des Ideenklaus also hauptsächlich um unveröffentlichte Ideen.

Ideen sind individuell. Ihre fachliche Kompetenz, technisches Wissen, Team, Motivation und Effektivität (nicht: Finanzierung!) und vermutlich noch 118 weitere Erfolgsfaktoren sind entscheidend für Ihren Erfolg mit der Idee. Lieber die zweitbeste Idee mit dem erstbesten Team als anders herum – dieser Satz ist nicht von mir, er entspricht aber meiner Erfahrung.

Individuell heißt auch: Jeder Einzelne ist meist gut beschäftigt, eine einzige Idee umsetzen. Gründer heißen so, weil sie das schon tun – und haben daher logischerweise keinen echten Bedarf an einer weiteren Idee. Außer, sie wollen etwas Identisches gründen. Das ist aber wieder sehr unwahrscheinlich – siehe „individuell“ im vorstehenden Absatz. Außerdem merken Sie es im Gespräch – wenige Menschen stellen absichtlich blöde Fragen um zu verschleiern, dass sie eigentlich auch Ihre Idee umsetzen wollen.

Kommunizieren Sie Ihre Idee Gründern gegenüber also möglichst offen. Sie bekommen Feedback, das extrem wichtig ist und das Risiko des Ideenklaus bei weitem ausgleicht. Für Investoren gibt es eine andere Logik, die ich in einem weiteren Post behandeln werde.

Ärgerlich ist es, wenn jemand eine Idee klaut und anders umsetzt, aber dabei erfolgreicher als Sie ist. Aber Hand auf’s Herz: Wie sind Sie denn auf Ihre Idee gekommen? War es nicht vielleicht Ihre Beobachtungsgabe, eine Unzulänglichkeit bei Anderen gesehen zu haben? Haben Sie nicht selbst aus einer oder mehreren Ideen anderer Leute Ihre Idee entwickelt? Wie kommt man überhaupt auf eigene Ideen, wenn nicht durch Anregung von außen? Ohne die Kognitionswissenschaften bemühen zu wollen – eine „eigene Idee“ ist meist nur gefühlt eigen und hat sich bei Ihnen eingestellt, weil sie irgendwie in der Luft lag. Investoren, die einen guten Überblick über aktuelle Geschäftsideen und -modelle haben, bekommen immer (!) mehrere Businesspläne zu einer Idee auf den Tisch. Doch dazu, wie gesagt, später mehr.

Der Schlüssel gegen den Ideenklau liegt darin, der Idee eine eigene, persönliche, unverwechselbare Note zu geben (in der Beratersprache auch als Strategie bezeichnet) und diese Idee schnell umzusetzen. Denn in der Schnelligkeit liegt der beste Schutz: Nachahmer müssen noch schneller umsetzen und aus Fehlern lernen als Sie, wenn sie Ihnen die Show stehlen wollen. Das gelingt regelmässig nur den kleinen Nachahmern und die großen Konzerne scheitern genauso regelmässig daran.

Fachkenntnis und Prozesskenntnis

Samstag, November 8th, 2008

Sie haben eine Idee. Eine Vision. Ein Team.

Das Fachliche ist weitgehend vorhanden. Auch wenn sich die Idee verändern wird. Oder die Vision an der Realität und dem zunehmenden Kenntnisstand erwachsen wird. Und das Team sich verändert – bis hin zum Austausch von Teammitgliedern, die anfangs eine zentrale Rolle übernommen haben.

Aber wie funktioniert es, eine Idee zu verändern, eine Vision zu entwickeln, ein Team zu formen?

Hier sind Prozesse angesprochen, die man an keiner Schule lernen kann sondern nur in der Praxis.

Wie bei allem, das man zum ersten Mal macht, kann es schief gehen. Und auch: Wie alles im Leben kann man es lernen. Und die Übung macht den Meister.

Im Kombinat finden diese Prozesse regelmässig statt. Bei drei Unternehmen und den jeweils mehreren Projekten pro Unternehmen ist eigentlich immer gerade irgendeine (kleine oder größere) Krise aktuell.

Das Kombinat ist nun 4 Monate alt. Und ich bemerke an diesen Krisen, wie ähnlich Gründungen doch sind – jedenfalls in den Prozessen, die nicht das Fachliche betreffen. Aus meiner Perspektive (und Erfahrung aus anderen Gründungen, die ich aber eher seriell erlebt habe und damit diese offensichtliche Zwangsläufigkeit und Ähnlichkeit nicht so bemerkt habe) ist manches schon einmal dagewesen.

Das beruhigt – nicht nur mich sondern auch die Unternehmer und ihre Mitarbeiter.